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„Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“

Feierstunde im Nümbrechter Rathaus am 27. Januar 2020.


Der Gedenktag wurde 1996 anlässlich des Jahrestages der Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau offiziell vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog zum nationalen Gedenktag erklärt. Seitdem findet jedes Jahr zum 27. Januar in Nümbrecht eine Gedenkver­anstaltung statt, die vom Freundeskreis Nümbrecht-Mateh Yehuda und der Gemeinde Nümbrecht, unter Mitwirkung der Kirchen gestaltet wird. Auch Schüler des Homburgischen Gymnasiums in Nümbrecht sowie des Hollenberg Gymnasiums in Waldbröl sind in die Gestaltung eingebunden mit Berichten über Besuche von Vernichtungslagern oder auch mit Ausstellungen zum Thema.

Bürgermeister Hilko Redenius begrüßte die Anwesenden: „Ich freue mich, dass so viele heute hierher gekommen sind, so viele wie noch nie!“. Vor den rund 170 Gästen ging er auf die Schrecken der Naziherrschaft ein und betonte, dass dies niemals in Vergessenheit geraten dürfe. Antisemitische Ansätze, die wir immer wieder wahrnehmen, sollten eine Warnung und Mahnung sein.

Bei der diesjährigen Veranstaltung berichtete der siebzehnjährige Malte John (Schüler des Hollenberg Gymnasiums) über seine Eindrücke und Gefühle in Auschwitz. Es sei tief bewegend gewesen, berichtete er Er beschrieb sehr authentisch, dass er angesichts des Grauens in unterirdischen Gefängniszellen, der Gaskammer oder auch der Rampe an den Gleisen eine große Leere empfand.

Sehr ergreifend war der Bericht von Jeanette Hoffmann, deren Mutter in Auschwitz eine der in Block 10 internierten Frauen war. Jeanette Hoffmann wusste zwar vom Schicksal ihrer Mutter, hatte aber erst von den schrecklichen Erlebnissen ihrer Mutter erfahren, als sie das Protokoll ihrer Aussage zu den Gerichtsverhandlungen gelesen hatte. Sie bat um Verständnis, dass sie vieles nicht preisgeben könne, da ihre Mutter auch ihr gegenüber dazu geschwiegen habe und dies zu persönlich sei. Es war überhaupt erst das zweite Mal, dass Jeanette Hoffmann über die Qualen ihrer Mutter in Block 10 sprechen konnte: „leider ist diese Generation schon sehr alt oder bereits verstorben und wer, wenn nicht wir, ihre Kinder, wer soll dann die Erinnerung an die Grausamkeiten weitergeben. Das darf nicht in Vergessenheit geraten! Dass ich heute hier sein kann ist der Triumpf meiner Mutter über den SS-Arzt Carl Clauberg.“

An den in Block 10 eingesperrten rund 800 Frauen wurden im Rahmen medizinischer Versuche Methoden der Sterilisierung erprobt. Den Frauen wurden z.B. Injektionen gemacht, die Entzündungen der Eierstöcke verursachten und so zu Unfruchtbarkeit führten. Clauberg prahlte gegenüber SS-Reichsführer Heinrich Himmler, dass er in der Lage sei unter bestimmten Bedingungen bis zu 100 Frauen täglich so zu „behandeln“. Man kann sich das unsägliche Leid und die Schmerzen dieser Frauen nicht vorstellen. Viele überlebten nicht. Die Frauen, die dann auch noch den Todesmarsch nach Bergen-Belsen überlebten, sagten später in den Gerichtsverhandlungen aus. Erna Hoffmann überlebte auch den Todesmarsch und hatte das unglaubliche Glück auch ihren Mann lebend wiederzufinden.

Die Gedenkfeier wurde musikalisch vom Duo Shoshan (Waltraud und Raimund Rennebaum) mit dem Gesang von Psalmen in Hebräisch begleitet.

Abschließend richtete Marion Reinecke (Vorsitzende Freundeskreis Nümbrecht – Mateh Yehuda) noch Worte an die Gäste und sprach über reale Bedrohungen und Beschimpfungen jüdischen Lebens in Deutschland. Aber es mache sie zuversichtlich, dass so viele Menschen zu dieser Gedenkstunde gekommen seien, denn jeder Einzelne sei wichtig im Kampf gegen Antisemitismus: „Die Geschichte darf sich nicht wiederholen!“


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