Kommunale Wärmeplanung: Nümbrecht kann Wärmewende mit Augenmaß gestalten
Vorläufige Ergebnisse im Gemeindeentwicklungsausschuss vorgestellt. Vergleichsweise junges Gasnetz schafft Handlungsspielraum für die kommenden Jahre.
Wie kann die Wärmeversorgung in Nümbrecht langfristig klimaneutral, verlässlich und wirtschaftlich gestaltet werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich die kommunale Wärmeplanung der Gemeinde Nümbrecht. Die BMU Energy Consulting stellte jetzt die vorläufigen Ergebnisse in der öffentlichen Sitzung des Gemeindeentwicklungsausschusses vor. Der Abschlussbericht soll bis Ende des Jahres vorliegen.
Die Wärmeplanung betrachtet einen langen Zeitraum bis zum Jahr 2045. In den kommenden Jahren werden sich Technologien, gesetzliche Rahmenbedingungen, Energiepreise und das Verbrauchsverhalten weiterentwickeln. Welche Lösungen sich langfristig technisch und wirtschaftlich durchsetzen, lässt sich deshalb heute nicht verlässlich vorhersagen.
Nümbrecht verfügt dabei über eine gute Ausgangslage. Das Gasnetz der Gemeindewerke Nümbrecht (GWN) ist vergleichsweise jung. Die aktuelle Gasnetzstrategie sieht einen Weiterbetrieb bis 2045 vor. Nach heutigem Stand sind aufgrund des Alters und Zustands des Netzes keine grundlegenden Erneuerungsinvestitionen allein aufgrund des Netzzustands erforderlich, um diesen Zeitraum zu erreichen. Damit besteht in Nümbrecht derzeit kein unmittelbarer technischer Handlungsdruck durch ein überaltertes Gasnetz. Dieser zeitliche Spielraum ermöglicht es der Gemeinde und den Gemeindewerken, die weitere Entwicklung zu beobachten und größere Investitionsentscheidungen auf eine möglichst belastbare Grundlage zu stellen.
"Die Transformation unserer Wärmeversorgung findet bereits statt. Unser vergleichsweise junges Gasnetz gibt uns aber die Möglichkeit, diesen Prozess mit Augenmaß zu gestalten. Wir können technologische, wirtschaftliche und gesetzliche Entwicklungen beobachten und Entscheidungen dann treffen, wenn die Grundlagen dafür belastbar sind", erklärt Bürgermeister Thomas Hellbusch.
Auch für Bürgerinnen und Bürger ist der geplante Weiterbetrieb des Gasnetzes eine wichtige Information. Aus der Gasnetzstrategie ergibt sich derzeit kein netzbedingter Zwang, bestehende Gasanschlüsse kurzfristig aufzugeben. Individuelle Entscheidungen über eine zukünftige Wärmeversorgung hängen jedoch von weiteren Faktoren ab, darunter der Zustand der eigenen Heizungsanlage, die Entwicklung der Energiepreise und die gesetzlichen Rahmenbedingungen. Gerade die langfristigen Kostenentwicklungen bleiben mit Unsicherheiten verbunden. Beim Strom werden unter anderem Ausbau und Betrieb der Netze eine Rolle spielen. Beim Gas könnten bspw. sinkende Absatzmengen die Verteilung der Netzkosten verändern. Hinzu kommen die gesetzlichen Anforderungen an die zukünftige Wärmeversorgung und an den Einsatz erneuerbarer beziehungsweise klimaneutraler Energieträger. Welche Versorgungsform im Einzelfall langfristig wirtschaftlich ist, lässt sich daher heute nicht pauschal beantworten.
Für Gemeinde und GWN bedeutet dies: Funktionierende Infrastruktur wird sinnvoll weiter genutzt. Gleichzeitig werden technische, wirtschaftliche und regulatorische Entwicklungen fortlaufend bewertet. So sollen Investitionen zum richtigen Zeitpunkt erfolgen und langfristige Fehlentscheidungen vermieden werden.
"Es geht nicht darum, die Transformation aufzuschieben. Es geht darum, sie vernünftig zu steuern. Entscheidungen über Infrastruktur und Heiztechnik wirken häufig über viele Jahre. Deshalb ist es ein Vorteil, dass wir in Nümbrecht nicht allein aufgrund des Alters unseres Gasnetzes unter kurzfristigem Handlungsdruck stehen", so Bürgermeister Thomas Hellbusch.
Die kommunale Wärmeplanung ist dabei kein einmalig festgelegter Fahrplan bis zum Jahr 2045. Sie muss regelmäßig überprüft und fortgeschrieben werden. Bei diesen Fortschreibungen wird die Gesamtsituation auf Grundlage der dann geltenden gesetzlichen, technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen neu bewertet. Neue Technologien, veränderte Energiepreise, die Entwicklung der Netze und weitere Erkenntnisse können so in die Planung einfließen. Die Strategie für die zukünftige Wärmeversorgung kann anschließend an diese Entwicklungen angepasst werden.
Bis Ende des Jahres werden die Ergebnisse der verschiedenen Untersuchungen in der kommunalen Wärmeplanung zusammengeführt. Sie soll der Gemeinde, den Gemeindewerken sowie den Bürgerinnen und Bürgern Orientierung für die langfristige Entwicklung der Wärmeversorgung geben.
Ein besonderer Ansatz in Nümbrecht ist die umfassende Betrachtung der zukünftigen Energieversorgung. Die Gemeinde beschränkt sich nicht auf die gesetzlich vorgesehene kommunale Wärmeplanung, sondern betrachtet gleichzeitig die Entwicklung des Gasnetzes, des Stromnetzes und mögliche zukünftige Versorgungstechnologien. Damit entsteht eine integrierte Energieleitplanung, die Wärmeversorgung, Netzinfrastruktur, technische Entwicklungen und wirtschaftliche Auswirkungen zusammenführt. Dieser ganzheitliche Ansatz geht über eine isolierte Betrachtung einzelner Energieträger hinaus und ermöglicht es, Wechselwirkungen frühzeitig zu erkennen. Gerade mit Blick auf den langen Planungshorizont bis 2045 schafft Nümbrecht damit eine umfassende Grundlage, um zukünftige Investitionsentscheidungen für Gemeinde, Gemeindewerke sowie Bürgerinnen und Bürger fundiert vorzubereiten.
Für Nümbrecht bedeutet das: Die Wärmewende hat begonnen. Das junge Gasnetz schafft gleichzeitig den notwendigen Handlungsspielraum, um die nächsten Schritte fundiert zu planen und die Wärmeversorgung schrittweise weiterzuentwickeln.


